Wenn die Aufgabe in dieser Welt erledigt ist, darf die Seele weiterziehen

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Julianes Schwester Iris starb vor rund zwei Jahren an Krebs. Juliane spricht darüber, wie Iris  dennoch irgendwie weiterlebt und woran sie und ihre Eltern glauben, was mit uns nach dem Tod passiert. Julianes und Iris Vater ist Buddhist. 

Links: Iris, rechts: Juliane. Foto: Juliane Fischer

Du sagst, Du entdeckst immer wieder Wesenszüge deiner Schwester in deinen Kindern und dass ihr Geist somit irgendwie immer noch da ist. Woran glaubst Du, was denkst Du, passiert mit uns nach dem Tod? 

Juliane: „Ich bin davon überzeugt, dass der Mensch in diesem Universum viel zu klein ist um alles zu begreifen. Es gibt einfach Dinge, die wir mit unseren Sinnen nicht erfassen können. Es gibt bestimmt viel mehr, das wir nicht sehen, hören oder riechen können. Was das letztendlich ist, was mit uns nach dem Tod passiert, ob es da energetische Schwingungen gibt, das weiß ich natürlich nicht. Ich bin kein sehr spiritueller Mensch, aber der Gedanke, das  Herz hört auf zu schlagen und wir sind einfach nicht mehr da, das wünscht sich glaube ich niemand so richtig. Ich versuche es mir immer so vorzustellen: Iris ist jetzt nicht mehr da als Mensch, aber sie lebt in unseren Gedanken weiter und ist dadurch immer präsent. Ich denke, es gibt eine Anwesenheit, von der wir nichts wissen und die wir auch nicht ahnen können.“

Dein Vater kommt aus Vietnam, inwieweit unterscheidet sich sein Glaube von deinem? 

Juliane: „Mein Vater ist Buddhist. Er hat eine ganz andere Herangehensweise als wir hierzulande.  Ich habe mich nach dem Tod von Iris sehr viel damit befasst. Er sagt, jeder hat seine ,Karmakarte’ und eine bestimmte Aufgabe hier in dieser Welt. Wenn diese Aufgabe erledigt ist, darf die Seele weiterziehen. Mein Vater sieht das fast schon sachlich. Meine Schwester hatte ihre Zeit und es war ihr einfach vorbestimmt, dass sie nur 35 Jahre in diesem Körper auf dieser Welt sein sollte. Bis zu ihrem Tod hat sie ihre Aufgabe in diesem Leben erledigt und ist jetzt weitergezogen. Er ist der Auffassung, ihre Seele existiert weiter. Aber alles, was sie erlebt hat oder was sie als Mensch ausgemacht hat, wer sie war, daran hat sie keine Erinnerungen mehr. Sie lebt jetzt ein anderes Leben.“

Und woran glaubt deine Mutter? 

Juliane: „Meine Mama sagt, dass die Zeit, die wir hier in einem Leben verbringen – auch wenn es 90 Jahre sind – einfach nichts ist im Vergleich dazu, wie lange es die Menschheit schon gibt. Die Zeit, die jemand nicht in diesem Leben verbringt, ist so viel größer. Daher ist es ein stückweit fast schon unbedeutend, wie lange jemand in diesem Leben hat. Meine Mama ist außerdem der festen Überzeugung, dass sie meine Schwester eines Tages wiedersieht. Und das treibt sie an. Ich bin da zu rational, ich wünsche es mir vom ganzem Herzen, aber mir fehlt die Überzeugung.“

Julianes Schwester Iris ist im dritten Monat schwanger. Aufgrund von starken Rückenschmerzen ist sie immer wieder beim Arzt, letztendlich erhält sie die Diagnose Brustkrebs. Noch während der Schwangerschaft muss sie eine Chemotherapie machen. Sie bringt eine gesunde Tochter zur Welt, kurz darauf stirbt Iris. Die Krankheitsgeschichte von Iris, wie Juliane Trauer erlebt und wie sich ihr Umfeld verändert hat, könnt Ihr in dem Artikel „Geschwistertrauer: Für immer Schwestern“ nachlesen. 
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2 Comments

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